Dunja Hayali: Die Sozialen Medien müssen mehr Verantwortung übernehmen

Dunja Hayali: Die Sozialen Medien müssen mehr Verantwortung übernehmen

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Dunja Hayali (c) Cover Media

Dunja Hayali (42) wünscht sich online mehr Unterstützung.

Die Journalistin und Moderatorin (‚Morgenmagazin‘) nimmt kein Blatt vor den Mund: Als 2015 die Debatte um die Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt erreichte, bezog sie öffentlich Stellung. So teilte sie unter anderem die Ansicht von Kanzlerin Merkel, dass das Land den Ansturm der vielen Menschen schaffen würde. Das zog den Hass vor allem von Vertretern aus dem rechten Lager nach sich. In den sozialen Medien wurde sie schwer beschimpft, unter anderem als „Eselfi**erin“ und „Affenfot*e“. Gelöscht wurden diese Kommentare selten bis gar nicht – ein Unding, betonte Dunja Hayali jetzt im Interview mit dem ‚Tagesspiegel‘:

„Ich finde, dass Unternehmen wie Facebook mehr Verantwortung übernehmen müssen. Sie können nicht einfach eine Plattform hinstellen und sagen: Jeder kann hier machen, was er will. Ich verstehe nicht, warum sie nackte Brüste zensieren, aber antisemitische Parolen oder Hakenkreuze offensichtlich für unbedenklich halten.“

Ein Dialog kann wegen der Anonymität der Hater dabei selten entstehen. Jedoch: „Ich habe einmal jemandem geantwortet, der sich unter seinem echten Namen gemeldet hatte: ‚Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Tochter, die bekäme solch eine Mail, was würden Sie ihr als Vater raten?'“, erinnerte sich die Journalistin. „Der hat zurückgeschrieben, was wirklich selten passiert, wie leid es ihm täte, dass er sich in einen Wahn hineingesteigert hätte. Daraus ist ein kleiner Briefwechsel entstanden. Das ist einer von 100, der die Größe hat, seinen Fehler zuzugeben.“

Ansonsten gäbe es nur eine Möglichkeit, mit solchen Kommentaren umzugehen: „Kopf – Tischkante. Kopf – Tischkante. Und man muss viel atmen“, erklärte Dunja Hayali gegenüber ‚Welt‘. „Aber es ist nicht so, dass es spurlos an einem vorbeigeht. Es gibt sicherlich Tage und Bedrohungen, Beleidigungen oder Beschimpfungen, die mir näher gehen, vor allem, wenn sie meine Familie betreffen. Allerdings baut mich der zu 90 Prozent respektvolle, lehrreiche und interessante Umgang und Austausch auch wieder auf.“