Harald Schmidt: Rückschritt für die Satire

Harald Schmidt: Rückschritt für die Satire

0
TEILEN
Bild zum Artikel
Harald Schmidt (c) picture alliance / dpa

Harald Schmidt (59) ist eher pessimistisch, was seinen Beruf angeht.

Der Entertainer wurde mit seiner Late-Night-Show schlagartig im deutschsprachigen Raum berühmt. Auch wenn er die Show seit einigen Jahren nicht mehr hat, verfolgt er noch genau, was seine Kollegen machen – und vor allem, wie die Reaktionen seitens des Publikums und der Politik sind. Was er sieht, stimme ihn eher nachdenklich, wie er gegenüber dem österreichischen ‚Profil‘ verriet, als er gefragt wurde, ob er auf den Karriereschub von Jan Böhmermann nach dessen Erdogan-Beleidigung neidisch sei:

„Das geht ja bis in den privaten Bereich hinein. Das braucht man nicht unbedingt. Ich habe früher schon auch Ärger gekriegt, aber das war immer im rechtsstaatlichen Rahmen. Ich hatte aber auch genau im Kopf, was man sagen kann und was nicht. Und man muss sagen: Es geht heute deutlich weniger als noch vor zehn, 15 Jahren.“

Sorgen mache Harald auch die neue politische Korrektheit, da man nun jedes Wort auf die Goldwaage legen müsse, wie er sich gegenüber dem ‚orf‘ beschwert hatte: „Es ist unmöglich, von einem Politiker etwas Neues zu hören. Die Politiker an der Spitze sind absolute Medienprofis, genauso übrigens wie Fußballer. Ich komme noch aus einer Generation, in der Trainer Dinge gesagt haben wie ‚du musst Schwein sein‘, ‚ich will Blut sehen‘ oder ‚du musst eine Drecksau sein, die in den Pfosten beißt‘. Ich mochte das sehr. Heutzutage sagt einer, der überhaupt nicht mehr spielen darf, ‚wenn ich damit meiner Mannschaft helfen kann, bin ich happy‘. Also das ist unfassbar öde. Und bei einem Spitzenpolitiker ist es genau das Gleiche. Da ist jedes Wort überlegt. Selbst das unüberlegte Wort ist überlegt.“

Da findet es Harald Schmidt vielleicht gar nicht so schlimm, dass er nicht mehr jeden Abend im Fernsehen Witze machen muss.