Joe Bausch: Dieter Degowski ist ein spezieller Fall

Joe Bausch: Dieter Degowski ist ein spezieller Fall

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Joe Bausch (c) picture alliance / Geisler-Fotopress

Joe Bausch (64) denkt, dass es Dieter Degowski (60) nach dem Gefängnis nicht leicht haben wird.

Der Schauspieler, der im Kölner ‚Tatort‘ den Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth gibt und im wirklichen Leben seit dreißig Jahren als Gefängnisarzt arbeitet, hat den Geiselnehmer lange Jahre medizinisch betreut. Degowski und Hans-Jürgen Rösner (61) hatten 1988 eine Bank überfallen und unter großer Medienpräsenz Geiseln genommen. Sie erschossen Emanuele de Giorgi (†14) und Silke Bischoff (†18). Das Geiseldrama von Gladbeck steckt noch tief in der Psyche der deutschen Bevölkerung und so gab es dann auch einen Aufschrei, als bekannt wurde, dass Dieter Degowski nach dreißig Jahren Haft auf Bewährung entlassen wurde.

Laut Joe Bausch wird es der Ex-Knacki schwer haben: „Es gibt andere Verbrecher, die nicht diese Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit hatten und die bei guter Führung bereits früher die Möglichkeit bekommen haben, wieder in Freiheit zu leben“, gab der TV-Star gegenüber ‚Bild‘ zu bedenken. „Da ist Degowski natürlich ein spezieller Fall. Gerade die Anfangsjahre waren für ihn im Knast extrem. In der ersten Zeit oft 22 Stunden alleine, abgeschottet. Es gab Befürchtungen, die italienische Mafia könnte sich an ihm rächen im Gefängnis, weil er ja den italienischen Jungen erschossen hatte.“

Für Joe Bausch ist es juristisch nachvollziehbar, dass der Täter nun im Rahmen des Resozialisierungsgedankens eine Chance bekommt. Er weiß allerdings auch um die Besonderheit des Falls: „Es gibt viele Verbrecher, die ähnlich schlimme Straftaten begangen haben. Aber da gibt es meist von Opfern nicht diese Bilder und auch nicht vom Verbrechen selbst. Das macht diesen Fall auch mit dem Abstand noch so präsent. Immer wieder kommen die Bilder hoch. Jeder kennt sie.“

Degowski ist bei Weitem nicht der einzige Schwerverbrecher, mit dem es Joe Bausch in seiner Praxis zu tun hat und er denkt, dass sein Job eine bestimmte Mentalität voraussetzt, wie er vor einigen Jahren im ‚Spiegel‘ verriet: „Man muss das System Gefängnis verstehen, um für den Job geeignet zu sein. Man ist nicht der Gott in Weiß, sondern arbeitet in einer Behörde, die wie ein Finanzamt funktioniert. Man sollte ein Faible für schwierige Fälle besitzen, Pioniergeist – und ein unerschütterliches Menschenbild.“