Thilo Mischke: "In welcher Welt haben wir gelebt?"

Thilo Mischke: "In welcher Welt haben wir gelebt?"

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Thilo Mischke (c) picture alliance / rtn - radio tele nord

Thilo Mischke (36) wünscht sich ein ausgewogeneres Bild seiner früheren Heimat.

Der Moderator (‚Uncovered‘) ist in der DDR aufgewachsen und findet, dass seine Heimat im heutigen Fernsehen nicht authentisch wiedergegeben wird. „Warum ist die DDR so schei*e in den Filmen und Serien der Nachwendezeit?“ fragt er in einem Gastbeitrag im Medienmagazin ‚dwdl.de‘.

Gerade die großen Serien würden den Osten Deutschlands oft in einer sehr einseitigen Art und Weise darstellen. „Aber war nun wirklich jeder bei der Stasi, gab es nie etwas zu kaufen? Trugen wir alle so hässliche Sachen wie bei ‚Honigfrauen‘, war alles stahlblau, wie bei ‚Das Leben der Anderen‘?“

Fragen, die in ihm aufkommen und die vor allem zu einer Sache führen: Sorge. Der Journalist fürchtet, dass die schönen Erinnerungen an seine Kindheit durch das neumodische TV-Bild der DDR zerstört werden könnten: „Und dann erschrecke ich mich. Zeichne ich in meiner Kindheit ein schönes Bild dieses Landes? Ein kindliches Bild? […] In welcher Welt haben wir gelebt?“

Natürlich sei nicht alles gut gewesen, das weiß auch Thilo. Für viele sei die DDR ein gefährliches Pflaster gewesen, das es heute zumindest in Deutschland so nicht mehr gibt. Der Reporter versuchte aber dennoch ähnlich gefährliche Situationen zu erleben, indem er für seine Pro7-Reportagereihe ‚Uncovered‘ in verschiedene Schattenwelten eintauchte. Der ‚B.Z.‘ verriet er, welche Situation ihm besonders zusetzte: „El Salvador war seelisch brutal. Ich hatte permanent Angst, egal wo ich war. Ich hatte Angst, als mich der Taxifahrer mit 150 Stundenkilometern durch die Straßen gefahren hat, bloß, damit er schnell weg ist, wenn jemand schießt.“

Natürlich ist das weitaus härter als es die DDR jemals war, dennoch scheint Thilo Mischke die Gefahr zu suchen.